HodkevitchFinder

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Das Duo HodkevitchFinder spielt mit den Grenzen zwischen Musik und Literatur, sucht sie an ihren vermeintlichen Nahtstellen durchlässig zu machen und den entstehenden Raum mit Unerhörtem für die Besucher zu öffnen. Literatur und Musik führen einen gleichberechtigten Dialog. Für jedes Projekt wird vom Nullpunkt aus eine neue Methode erfunden.
Die Texte von Leonie Hodkevitch zeichnen sich durch extreme Knappheit und Klarheit aus. Durch radikale Reduktion wie den Verzicht auf Namen, Adjektiva und Vergleiche, ist die Sprache auf ihren Kaffeesatz komprimiert, und wie in einem solchem kann man, wenn man will, freche Weisheiten, doppeldeutige Vorhersagen, sowie mit zunehmender Klarsicht, Schrecken und Belustigung das Schicksal der Figuren herauslesen. Wie im Leben, werden wir auch hier gern und oft getäuscht. Wonach wir suchen, hat schon jemand gefunden. Wir zählen bis zwölf, der Dinge sind aber elf. Leichtfüssig erzählt, mit versteckten zivilisatorischen Querverweisen, fesseln die Texte mit Witz, Ironie und literarischer Kunstfertigkeit.
Azzi Finder interpretiert die Texte mit Anklängen an Jazz, Volksmusikmustern oder eigenwillig erstellten neuen Regeln an Zwölftonmusik. Der Präzision der Sprache entspricht bei dem Projekt ‚Stadlbauer‘ die klangliche Beschränkung auf Klarinette, Geige und Stimmen. Darunter verbergen sich wie in Leonies Literatur Abgründe, seltsame nie gehörte Klänge, beissender Spott und ein wenig Altersweisheit. Die Songtexte sind verspielter Kontrapunkt zum Roman als auch Ergänzung. Die Musiker agieren hier auch als Performer, die für die Zuschauer das Leben der Menschen unbestechlich kommentieren.
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Leonie, Azzi, Erich und der Stadlbauer.

Azzi studierte Violine nach Konzertfach und Jazztheorie an den Musikuniversitäten in Graz und Wien und wurde als Geigenhoffnung wegen seiner unkonventionellen Technik und Bühnenauftreten mit Krawatte als Stirnband heftig diskutiert.
Gründungsmitglied von Avantgarde Jazzensemble ‚Orchester-forum‘,Streichquartett kk-strings mit schrägem Kurs zwischen Kommerz und Kunst, ‚Vienna International Pocket Opera‘ und Mastermind bei CDs wie ‚bullerjannächte‘, ‚austrian limited movers‘, ‚movies in mind‘ – filmmusik zu nicht gedrehten Filmen.Azzi ist Improviseur und Stückeschreiber, initiert interkulturelle Orchesterprojekte, Projekte mit Kindern wie Geigenzirkus‘ und
‚100 Kids Rock Orchestra. Auftritt bei Eröffnung des Mozartjahres am Rathausplatz, der Linzer Oper mit Richard Dorfmeister. Oft schreibt er Stücke nur für einen Auftritt.

Leonie studierte an der Universität Wien Völkerkunde und Romanistik und erregte Beachtung mit ihrem eigenwilligen Stil in der Kurzgeschichtensammlung ‚Ritt durch einen nächtlichen Wald‘. Letzlich erschienen Short Stories SALTY und der Canetti Preis-nominierte Roman ‚Der Stadlbauer‘.

Mitbegründerin von Short Message Productions, der Gruppe für Vernetzung von Theater und Film, des Architekturzentrum Sofia und der Seminar-Plattform clearly culture. Freie Journalistin für ‘Der Standard’, ‘Die Presse’. Dozentin für Kulturmanagement an europäischen und amerikanischen Universitäten und UNO, Mitglied der Expertenjury der Europäischen Union.
Leonie engagiert sich für soziale Gerechtigkeit, Migrierende und Menschen, die sich in der Minderheit, am Scheideweg oder in der Klemme befinden.

 

 

 

 

Der Stadlbauer’. Auf den ersten Blick kühl verfolgt der Roman die Erlebnisse eines Paares, dem die Hochzei bevorsteht, die Begegnung der Frau mit den Eltern ihres zukünftigen Mannes, mit dem Ort, an dem er geboren ist, und dessen Bewohnern, deren Geheimnisse, die die Frau in den wenigen Tagen bei ihrem Aufenthalt dort erfährt. Wo, ist zu Beginn nicht klar, da der Ortsname hinter Hinweisen verschleiert ist und jede kleine verschlossene Gemeinschaft sein könnte. Die Kühle verschwindet. Die äusserlich ruhigen geradlinigen Menschen aus dieser Gegend der Birnbäume fesseln mit ihren Worten, die Geheimnisse bleiben verborgen, bis ein unerwarteteter Tod sie an die Oberfläche spült, und der Namensgeber ist der Stadlbauer, der nur zu Beginn und am Ende erscheint, doch als Entwicklerflüssigkeit für diesen Film herhält. Denn der Roman agiert wie ein Film.

 

Musikalisches Konzept

Für den :Stadelbauer’ hat sich beim gemeinsamen Erarbeiten eine gleichrangige Interaktion zwischen Romantext und reduzierter/abstrahierter Volksmusik einerseits, wie auch zwischen Azzis Songtesten und Leonies Prosa als interessanteste Form herausgestellt. Die extreme Reduktion der literarischen wie auch der musikalischen Sprache ist für den Zuhörer der ideale Einstieg in unter der Oberfläche sich unerwartet auftuende Zwischenwelten.

 

Special Guest: Erich Steinkogler

Der musikalische Partner von Azzi, Erich Steinkogler, ist Klarinettist, Saxophonist und Musikproduzent. Seine Bandbreite reicht von Funk und Rock über Klassik bis zu zeitgenössischer Volksmusik. Er ist mit der gleichen Freude Filmkomponist wie musikalischer Leiter eines symphonischen Blasorchesters. Seine Vielseitigkeit verbindet ihn mit Azzi Finder und hat die beiden in den letzten Jahrzehnten wiederholt zu gemeinsamen Projekten und Bands wie VIP-Opera und Schramm el Dada inspiriert.

Im ‚Stadlbauer‘ ist er ein gern gesehen Zaungast, der mit Klarinette und kritischem Witz die klirrende Atmosphäre anheizt.

 

 

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